Alles in Mode

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Vom 05. bis zum 10.08.2018 fand in der Jugendbildungsstätte die ALLES IN MODE? - Jugendfreizeit statt.

Wo kommt die Kleidung her, die wir tragen? Nach der Alles in Mode – Jugendfreizeit ließ sich diese Frage ganz einfach beantworten: von der Burg Hoheneck – selbst genäht!

Vom 05.08.2018 – 10.08.2018 kamen 15 Jugendliche mit vier Künstler*innen und zwei Betreuer*innen in der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck in Ipsheim zusammen, um sich gemeinsam und vor allem kreativ mit dem Thema Mode auseinanderzusetzen. Das Projekt Jugend in Mode der Fachberatung für Kinder- und Jugendkultur für den Bezirk Mittelfranken fokussiert in seinen Bildungsformaten vor allem Aspekte der Nachhaltigkeit, der Kulturgeschichte und politische Dimensionen von Mode. Anders als bei diesen Veranstaltungen lag der Fokus bei der Jugendfreizeit speziell auf der kreativen Auseinandersetzung und Fertigung von eigener Kleidung.

Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, ihre ganz individuellen Kleidungsstücke vom Färben des Stoffes über den Schnitt bis zur letzten Naht selbst zu gestalten. Dabei erfuhren sie wie viele Schritte hinter jedem einzelnen Kleidungsstück in unseren Kleiderschränken eigentlich stecken, aber vor allem auch, wie viel Freude es bereitet Kleidung selbst zu machen. Durch die flexible Gestaltung des zeitlichen Ablaufs konnten die Teilnehmer*innen sich intensiv mit dem Thema und all seinen Facetten beschäftigen - sich so von der Gruppe mitreißen lassen, in den schöpferischen Gestaltungsprozess eintauchen und sich auch inhaltlich mit Produktionszusammenhängen, ökologischem Handeln und Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Die Jugendlichen tüftelten bis tief in die Nacht mit tatkräftiger Unterstützung der begleitenden Künstler*innen an Entwürfen, verbrauchten meterweise Stoff, nähten kilometerlange Nähte, färbten bis die Finger mehr blau als hautfarben waren und ließen so Kleider, T-Shirts, Taschen, Röcke, Jacken, Gürtel, eine tolle Gruppe, ein Bewusstsein für den Umgang mit und den Konsum von Mode, Freundschaften und das Gefühl, doch zumindest einen kleinen Beitrag zu einer faireren Welt beitragen zu können, entstehen.

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Konzeption und Umsetzung

Mode als allgegenwärtiges und lebensweltlich relevantes Thema knüpft direkt an den Interessen und Erfahrungen der Jugendlichen an. Es eignet sich, um sie abzuholen und mitzunehmen und somit den Blick auch auf andere Dimensionen des Themas zu lenken. Gerade um die Individualität des*r Einzelnen im Kontext der Gruppe zu unterstreichen, bot das Thema Mode in seinen Ausdrucksformen viele Möglichkeiten.

Den roten Faden bildete bei diesem Projekt die Produktion von eigener Kleidung. Dieser Faden verband theoretische Einheiten mit praktischen Modulen und hielt konzeptionell die Woche insgesamt zusammen. Das museumspädagogische Programm Vom Flachs zum Leinen im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim führte mit der Faser- und Textilerzeugung in die ersten beiden Stationen der sogenannten textilen Kette ein, die dann - zurück in der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck - um die weiteren Stationen bis hin zur Entsorgung eines Kleidungsstückes theoretisch ergänzt wurden. Diese inhaltliche Auseinandersetzung mit der konventionellen Herstellung von Kleidung war die Voraussetzung für alle weiteren Prozesse. Aufgegriffen wurde dieser Aspekt zwei Tage später bei einer öffentlichen Filmvorführung von the true cost mit einer anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Leiter der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck Simon Haagen, der Künstlerin Geli Haberbosch und der Schneiderin Sarah Heilingbrunner.

Gerade diese Mischung aus theoretischem Input und kreativen, eigenständigen Phasen war die Grundlage für selbstreflexive Prozesse und kritisches Denken zur eigenen Haltung zum Thema Mode und zum persönlichen Konsumverhalten.

Abgesehen von diesen theoretischen Inputs wurde die restliche Zeit für die Gestaltung und Umsetzung der eigenen Kleidungsstücke genutzt. Von der Erarbeitung einer ersten Idee auf einem Mood Board, über die Auseinandersetzung mit Stoffen und seinen unterschiedlichen Qualitäten,  Färben, speziell den Shibori-Techniken, bis zum Erstellen eines Schnitts und dem eigentlichen Nähen des Kleidungsstückes konnten die Teilnehmer*innen Schritt für Schritt alles selbst machen und erfahren, was es alles benötigt wird, um am Ende ein fertiges Kleidungsstück in der Hand halten zu können.

Der recht flexible und individuell anpassbare Rahmen der Jugendfreizeit war für die heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Altersstufen, Vorerfahrungen und Persönlichkeiten ideal, da er berücksichtigte, dass jede*r ein eigenes Tempo hat und unterschiedlich viel Unterstützung aus unterschiedlichen Quellen beziehen möchte.

 

 

 

 

Gerade weil es immer wieder darum ging, was die Jugendlichen inspiriert und bewegt, setzten sie sich hier automatisch mit ihrer eigenen Lebenswelt und Identität auseinander.

Dieser Prozess wurde von den Künstler*innen Marga Leuthe, Sarah Heilingbrunner, Geli Haberbosch und Jonas Dorner begleitet, deren essentielle Aufgabe war, die individuellen Lern- und Gestaltungsprozesse zu unterstützen und in den richtigen Momenten Anregung und Anleitung anzubieten, aber auch die Jugendlichen ausprobieren und laufen zu lassen. Neben den Künstler*innen wurde auch der Rest der Gruppe zum elementaren Bestandteil, von dem jede*r bei Bedarf Unterstützung und Inspiration erhalten konnte, der aber auch Raum ließ, sich zurückzuziehen.

Um solche Erfahrungsräume entstehen lassen zu können, benötigt es natürlich Zeit. Der großzügig gesteckte Rahmen erscheint hier als Gelingensbedingung, da dies den Teilnehmer*innen ermöglichte, in ihrer künstlerischen Ausdrucksform nicht zu sehr eingeschränkt zu werden und stattdessen in Ruhe in einen Ideenfindungsprozess einzutauchen und teilweise dann auch zu erfahren wie es ist, im kreativen Flow zu sein.

Orientierungshilfen boten hierbei in diesem sonst so freien Prozess die täglichen Treffen der gesamten Gruppe: Einmal morgens, um gemeinsam in den Tag zu starten und über den Ablauf zu entscheiden und abends, um auf all das Geschehene zurückzuschauen. Bei gemeinsamen Reflexionsrunden wurden die besprochenen Themen nochmal aufgegriffen und unter anderem Wege und Möglichkeiten gesucht und gefunden, den eigenen Bedürfnissen nach schicker und bezahlbarer Mode gerecht zu werden, ohne der Welt dabei zu schaden.

Am Ende der Woche stand nicht nur das fertige Kleidungsstück im Fokus, sondern auch das damit verbundene Gefühl. Diese Form an Erfahrung von Selbstwirksamkeit stand im direkten Zusammenhang mit der Erkenntnis, wie viel Einfluss wir mit unserem Denken und Handeln  in der Welt haben und stellte das Ohnmachtsgefühl, das sich schnell bei so großen Themen einstellt, in Frage und zeigte stattdessen Handlungsmöglichkeiten auf, die über die Zeit der Jugendfreizeit hinausreichen mögen.

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Referent*innen

Marga Leuthe

Marga Leuthe kommt aus dem Bereich der Offenen Werkstätten. Sie absolvierte die Ausbildung zur Modenäherin in Nürnberg bevor sie ihren Bachelor im Fachbereich Textildesign in Münchberg erwarb. Besonders interessiert ist sie an den Bereichen Nachhaltigkeit und Recycling. Hierzu gab sie u.a. Upcycling-Workshops für die Stadt Erlangen oder bei Adidas in Herzogenaurach. Außerdem ist sie Mitbegründerin des experimentellen Labels YAR in Nürnberg und in zahlreichen Initiativen im Großraum Mittelfranken aktiv.

Sarah Heilingbrunner

Sarah Heilingbrunner ist Schneiderin, Bekleidungstechnikerin und Mitgründerin des experimentellen Labels YAR in Nürnberg. Sie arbeitete einige Jahre in der Textilindustrie im Ausland und kennt die Arbeits- und Produktionsbedingungen von größeren Unternehmen der Textilbranche. Sie erarbeitet für das junge Label die Schnitte und setzt diese dann auch an der Nähmaschine um.

 

 

 

 

Geli Haberbosch

Geli Haberbosch studierte von 1989-1995 Textilkunst an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg bei Professor Eusemann und Professor Herpich. Seither ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. Als Textilkünstlerin webt sie Bilder und Objekte und näht historische Kostüme für Kinder und Erwachsene für Theateraufführungen. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist sie im kunstpädagogischen Bereich tätig, u.a. auch für den Verein Geschichte für alle im Großraum Nürnberg.

Jonas Dorner

Jonas Dorner ist Künstler und Sozialpädagoge. Seine künstlerischen Tätigkeiten sind geprägt von der Idee des forschenden Lernens. Sein Diplom-Studium im Fach Grafik-Design schloss er 2016 mit einem umfangreichen Katalog zum Thema Camouflage in der Klasse Visuelle Kommunikation und Grafikdesign bei Prof. Holger Felten an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg ab. Nach Lehrtätigkeiten arbeitet er aktuell als Sozialpädagoge in Mittelfranken.

Bündnispartner

Neben dem Bezirksjugendring Mittelfranken waren folgende Partner*innen an der Maßnahme beteiligt

Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck

Die Burg Hoheneck ist seit April 1984 die Jugendbildungsstätte des Kreisjugendring Nürnberg-Stadt des Bayerischen Jugendrings KdöR. Sie ist Teil des Netzwerks der Jugendbildungsstätten in Bayern.

Die Burg liegt malerisch über dem Ort Ipsheim im Aischtal, ca. 50 km nordwestlich von Nürnberg.
Das Angebot teilt sich in zwei grundlegende Bereiche: Mit einem umfangreichen Seminarangebot richtet es sich an Jugendliche, Ehrenamtliche und Hauptberufliche in der Kinder- und Jugendarbeit. Daneben bietet sie während der Woche Seminare für Haupt-, Mittel-, Förder- und Berufsschulklassen zu ausgewählten Themen an. (Jugend-)Verbände, Vereine, Schulklassen oder organisierte Gruppen können die Burg Hoheneck darüber hinaus als Tagungsort nutzen.  

Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim

Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim ist in der Trägerschaft des Bezirks Mittelfranken. Es ist ein Freilandmuseum auf etwa 45 Hektar großem Gelände mit einer Vielzahl an historischen Gebäuden. Es gliedert sich in verschiedene Baugruppen in denen Gebäude aus dem gesamten Raum Mittelfrankens originalgetreu wiederaufgebaut werden.

Das Fränkische Freilandmuseum bietet ein umfangreiches Vermittlungsangebot an, das eine vielschichtige Zielgruppenansprache ermöglicht und inhaltlich breit gefächert ist. Besonders für die Auseinandersetzung mit dem Thema Mode aus Perspektive von Jugendlichen eignet es sich als Ort für einen theoretischen Input zu diesem Thema.

 

 

 

 

 

JEP- Jung engagiert phantasiebegabt des Paritätischen Bildungswerks

Das Paritätische Bildungswerk  e.V. (PB) Bundesverband ist Programmpartner des Bundesförderprogramms Kultur macht stark, das in den Jahren 2018 - 2022 vom BMBF umgesetzt wird. JEP-Jung Engagiert Phantasiebegabt verfolgt das Ziel der kulturellen Jugendbildung. Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren, die bildungsbenachteiligt aufwachsen, soll der Zugang zu vielfältigen Angeboten kultureller Bildung ermöglicht werden. Im Mittelpunkt steht das gemeinschaftliche Entwickeln von kulturellen Projekten in der darstellenden und angewandten Kunst sowie in der Musik. Die Projekte können im Kursformat oder in Form von Jugendfreizeiten umgesetzt werden. Über das Programm JEP des Paritätischen Bildungswerks e.V. wurde die Jugendfreizeit Alles in Mode? durch Kultur macht stark gefördert.

 

 

 

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